Interview zu "Bussi und Pfiadi" im Fernsehen

Die Bruckmühler „Bussi & Pfiadi“ Zone als Vorbild-Aktion in Sachen Schulwegsicherheit

Im Rahmen einer ARD Reportage über „Mama-Taxis“ und die damit verbundene hohe und für die Schulkinder teilweise äußerst gefährliche Verkehrsdichte vor den Schulen wurde der Journalist Achim Schregle vom Polizeipräsidium Rosenheim an die Holnstainer Grundschule verwiesen. Hier wird den Eltern, die ihre Schulkinder mit dem Privat-PKW in die Schule bringen, seit 1 ½ Jahren (wir berichteten) die Bussi & Pfiadi Zone angeboten. Der ARD Reporter Achim Schregle interviewte für einen geplanten Fernseh-Beitrag im ARD Magazin Brisant die Schulleiterin Birgit Splett:

Schregle: Wie kam es zur Einrichtung dieser Bussi & Pfiadi Zone?

Splett: Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Tag im Januar 2018, als Frau Schwaiger, eine engagierte Schulweghelferin in ihrer Leuchtweste mit ihrer Kelle in mein Schulleitungs-Büro kam und mir eine einzige Frage stellte: „Wollen wir wirklich warten, bis das erste Kind angefahren oder sogar überfahren ist?“ Und die Antwort auf diese Frage lag auf der Hand. Nein, wir wollten nicht warten! Wir wollten nicht länger dem hohen Verkehrsaufkommen in der Rathausstraße direkt vor dem Eingang unseres Schulhauses untätig zuschauen! Der Anstoß für die Realisierung der „Bruckmühler Bussi & Pfiadi-Zone“ war gemacht!

Schregle: Sicher musste viel vorbereitet werden?

Splett: Ja, es musste viel und mit vielen gesprochen werden. Die Marktgemeinde klärte die Eigentumsverhältnisse des Grundstücks ab, der Bauhof sorgte mit Schildern, Pfosten und Absperrungen dafür, dass die Verkehrsführung für alle deutlich sichtbar wurde!

Und: Es wurde lange über den Namen dieser Zone diskutiert! Wir wollten Worte, die zu unserem schönen Oberbayern, zu unserem Mangfalltal hier passen. Und so wurde kurzerhand aus den Worten „Kiss and go“ ein „Bussi und Pfiadi“. Nach einem „Bussi“ und einem letzten „Pfiadi-Winken“ marschieren unsere Grundschüler seit nunmehr 1 ½ Jahren in wenigen Minuten auf sicherem Weg zur Rathausstraße, wo sie dankenswerterweise von den ehrenamtlichen Schulweghelfern von einer Straßenseite zur anderen begleitet werden.

Aber in die Vorbereitung waren natürlich auch die Schulkinder aktiv eingebunden. Die Viertklassler gestalteten die „Bussi & Pfiadi – Wegweis-Schilder“- mit dem Kuss-Mund und der winkenden Hand als Symbole - und malten mit Leuchtfarben ein eindrucksvolles „Bussi und Pfiadi-Banner“. Stoff und Farben wurde von ortsansässigen Firmen gesponsert.

Nicht zu vergessen: Unser Holnstainer Elternbeirat, aber auch unser Hausmeisterteam! Beide waren vom ersten Schritt sehr intensiv eingebunden und standen uns immer mit Rat und Tat an unserer Seite. Ohne sie hätten wir die offizielle Einweihung nach den Osterferien 2018 nicht geschafft.

Schregle: Wurden noch andere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung angedacht?

Splett: Von Anfang an lagen dem Schulleitungsteam und dem Kollegium noch 2 Dinge am Herzen:
Da war zum einen der Wunsch, dass die Schüler die Schulbusse wirklich nutzen. Dankenswerterweise stellt die Marktgemeinde Bruckmühl zu allen Unterrichts- Auslasszeiten Schulbusse in alle Richtungen zur Verfügung, denn unsere Schulkinder wohnen in vielen kleinen Ortsteilen von Bruckmühl und Bruckmühl hat derer 42!

Und unser 2. Wunsch war ein sehr pädagogischer, er kommt aus tiefstem Pädagogik-Herzen: Wir wollen und versuchen dies jeden Tag aufs Neue, die Eltern unserer Schüler und Schülerinnen zu überzeugen, dass der Schulweg zu Fuß ein wichtiges Lernfeld –gerade schon für Grundschüler ist. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, dass Kinder, die ihren Schulweg selbst zurücklegen, eine höher ausgeprägte Selbstständigkeit entwickeln und ein besseres Selbstwertgefühl haben; außerdem werden sie sozial intensiver eingebunden! Es wurde auch festgestellt, dass Kinder, die täglich mit dem Auto zur Schule gebracht werden, in ihrer Freizeit deutlich häufiger im Straßenverkehr verunglücken! Das ist logisch, Kinder brauchen reale Lernmöglichkeiten!

Neben der Nutzung der Schulbusse, neben dem Appel , den Schulweg – wenn möglich – zu Fuß zurückzulegen, haben wir uns aber auch entschieden, diese „Bussi & Pfiadi Zone“ anzubieten und zwar den Eltern, die aus welchen Gründen auch immer, ihr Kind mit dem Auto in die Schule bringen.

Schregle: Wird diese Bussi & Pfiadi Zone von den Eltern angenommen?

Splett: Die Zone wird gut angenommen. Aber natürlich müssen sich alle erst mal daran gewöhnen. Wir versuchen immer wieder aktiv und geduldig auf die Regeln für die Nutzung des „Bussi & Pfiadi- Zone“ hinzuweisen, und zwar durch aufklärende Elternbriefe, durch eine intensive Pressearbeit, durch Hinweise auf der Schulhomepage und nicht zuletzt durch unser „Viertklässler-Aktion“.

Schregle: …. Die „Viertklässler“-Aktion – wie genau läuft die ab?

Splett: 2 x pro Schuljahr, einmal am Schuljahresanfang übernehmen unsere Viertklässler für eine Woche freiwillig die Aufgabe, sich von 7.15 Uhr bis 8.00 Uhr in der Bussi & Pfiadi Zone direkt bei den Mamas und Papas mit selbst gemalten gelben Zetteln dafür zu bedanken, dass sie die Bussi & Pfiadi Zone benutzen. Dabei werden sie – was uns alle sehr freut - von Polizeibeamten der PI Bad Aibling sehr wohlwollend unterstützt und begleitet.

Schregle: Das klingt alles sehr positiv. Gibt es denn gar keine Probleme?

Splett: Ja, doch! Natürlich gibt es immer mal wieder ein „Mama- oder Papa-Taxi“ mit einem eher uneinsichtigen Lenker am Steuer. Aber unsere ehrenamtlichen Schulweghelfer merken sehr wohl eine deutliche Veränderung. Nur noch selten parken Privat-PKWs im absoluten Halteverbot in der Bushalte-Spur, in der Feuerwehrzufahrt, vor den Carports der Hausmeister oder in der Buswendespur. Und den Autofahrern, die ab und zu diese Verkehrsregeln ignorieren, denen erklären wir, die Lehrerschaft, der Elternbeirat, die Hausmeister, die Marktgemeinde, die Polizeibeamten, das Schulleitungsteam, gerne mit viel Geduld immer wieder die Vorteile, die Wichtigkeit und die Regeln der „Bussi & Pfiadi-Zone“! Und das alles machen wir, weil die Unversehrtheit unsere Schulkinder uns allen das höchste Gut ist!

-/-